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Das Museum für Unterwasser-Archäologie in Bodrum

Das Unterwassermuseum von Bodrum erhielt 1995 im Wettbewerb europäischer Museen das Prädikat "Besonders lobenswert". In diesem Museum verbinden sich traditionelle Museumskultur mit modernster Ausstellungstechnik.

GLASGEGENSTÄNDE
Das Institut für Unterwasserforschung (INA) führte, zusammen mit dem Archäologischen Unterwassermuseum Bodrum, an der Südküste der Türkei, im Naturhafen von Serçe 1977-79 Sommerausgrabungen an einem mittelalterlichen Wrack durch.

Das Schiff, das im Jahre 1025 n. Chr. die Südküste des von den Fatimiden beherrschten Syriens verließ, führte neben anderen Gütern 3 Tonnen Rohglas, Glasbruchstücke und verarbeitetes Glas mit sich. Mit grosser Wahrscheinlichkeit war das Rohglas für einen glasverarbeitenden Betrieb auf der dem byzantinischen Reich zugehörenden Krim oder dem Bereich der unteren Donau bestimmt.

Das zwei Lateinersegel führende fast 16 m lange Schiff, besaß einen für die Flußfahrt sehr gut geeigneten, flachen Rumpf.

Obwohl der Kiel nicht erhalten ist, leistet der Fund dieses Schiffes, sowohl aus archäologischer, als auch aus bootstechnisch-geschichtlicher Sicht einen wichtigen Beitrag. Den beim Schiffsbau benutzten geometrischen Formeln zufolge, ist dieses Schiff das älteste Beispiel modern anmutender Schiffsbaukunst.
Die im Wrack aus dem Serçe Hafen gefundenen Glaswaren, Keramiken und Metallgegenstände sind der wichtigste Fund dieser Periode.

AMPHOREN
Die im Bodrumer Unterwassermuseum ausgestellten und im damaligen Handel benutzten Amphoren bilden wohl die grösste Amphorensammlung der Welt. Nur ein Zehntel der verschiedenen Quellen entstammenden Amphoren ist, zugunsten einer lebendigen Museumskultur im unteren Hof ausgestellt.

Von den in der Sammlung befindlichen ältesten Amphoren bis hin zum 1992 hergestellten Tonkrug, tragen die Stücke zu einem umfassenden Gesamtbild bei: Was enthielten sie und wie wurden sie getragen, gestapelt und verstaut.
Im hinteren Bereich der Ausstellung ist ein römischer Weinladen, mit Mosaikfußboden und Brunnen nachgebaut. Manchmal bieten hier in römische Gewänder gekleidete Museumsangestellte Weine aus konischen Gefäßen an oder verkaufen Amphoren als Souvenirs.

DIE "KARISCHE PRINZESSIN"
Im April 1989 wurde bei einer Fundamentsausschachtung am Ortseingang von Bodrum eine Grabkammer entdeckt und von den Fachleuten des Unterwassermuseums geöffnet. In der Kammer befand sich ein unversehrter, noch keinem Grabräuber zum Opfer gefallener Sarkophag. Zwischen der Kammer und dem Sarkophag fand man einen schwarzemaillierten, kleeblattförmigen Kelch. (Oinochoe). Der drei Gläser Wein (60 cc) fassende Kelch war mit grosser Wahrscheinlichkeit das Lieblingsgefäß der Toten. Der Sarkophagdeckel wurde vor Hunderten von Zuschauern geöffnet. Zum Vorschein kam ein sehr gut erhaltenes Skelett. Die Grabbeigaben, die aus einer goldenen Krone, zwei goldenen Halsbändern, goldenem Kleidungszierrat, drei Ringen und zwei Armbändern bestanden, waren atemberaubend.

Man nimmt an, dass die "Karische Prinzessin" aus der adligen Verwandtschaft des Hekatomnos stammt. Der karische Satrap Mausolos ließ 355 vChr. in Milas/Labranda ein Festhaus errichten. Dort könnte die Prinzessin an einer Feierlichkeit teilgenommen haben. Deshalb ist sie in einem Raum, ähnlich dem Festhaus, zusammen mit ihren Grabbeigaben und ihrer Büste ausgestellt.